dpr award 2021 – die Shortlist

Das Defilée der Diversität


Noch nie war das Feld der Einreichungen so vielfältig, noch nie waren die Lösungen so durchdacht und ausgereift wie dieses Mal: von Reise-Apps und digitalen Lerneinheiten über NFT- und Streaming-Plattformen bis hin zur Analyse audio-visueller Inhalte. Vielfalt ist auch bei der dritten Vergabe des dpr award der gemeinsame Nenner, und davon zeugt die von der Jury am vergangenen Wochenende gekürte Shortlist. Die unter mehr als 40 Bewerbungen ausgewählten Produkte und Services von Verlagen, Medienhäusern, Start-ups und Digitaldienstleistern ziehen in die Endrunde ein. Der Preis wird am 21. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse verliehen


Die Shortlist im Überblick


PRODUKT/GESCHÄFTSMODELL

Bookwire: Creatokia

Happy Gang: Wisst ihr noch?

Michael Müller Verlag: mmtravel

Verlag an der Ruhr: „Klick und los! Digitale Unterrichtseinheiten“

PROZESS/TECHNOLOGIE

Aiconix: Aiconix

Beat Technology: Beat

Hogrefe Verlag: Dorsch Online

Newsadoo: Newsadoo

Westermann Verlag: SmartResponse

START-UP

Ahearo: Ahearo

Buuk Publishing: Buuk

Docmine: Divisto Learning

Wolf Innovation: Articly

BEGRÜNDUNGEN DER JURY ZUR SHORTLIST

PROZESS/TECHNOLOGIE

Aiconix: Aiconix

Aiconix ist ein KI-Technologie-Enabler und Lösungsanbieter für die Analyse und Verarbeitung von audio-visuellen Inhalten. Der Pool an Anwendungen biete überzeugende Lösungen auf verschiedenen Problemfeldern rund um die Auswertung von Sprach-Content, darunter die automatische Live-Untertitelung von Videos und Herstellung von Barrierefreiheit, so die Jury. Aiconix erschließe sich damit ein „hervorragendes Wachstumspotenzial“ und sei für Medienunternehmen besonders unter Datenschutzgesichtspunkten eine gute Alternative zu den großen US-amerikanischen Technologiekonzernen.

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Beat Technology: Beat

Beat hat White-Label-Plattformen zum Streaming von Audio- und E-Book-Inhalten für Verlage entwickelt, mit denen sich diese unabhängiger von den großen US-amerikanischen Plattformen machen können. Die Jury hebt die „guten Lösungen für einen neuen Marktbedarf“ hervor, die Verlage aus eigener Kraft nicht entwickeln könnten. Das Angebot des Infrastrukturdienstleisters sei vor diesem Hintergrund sehr nützlich für Medienunternehmen, die eigene Kundenbeziehungen aufbauen wollten.

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Hogrefe Verlag: Dorsch Online

Hogrefe hat für das 100 Jahre alte Traditionswerk „Dorsch – Lexikon der Psychologie“ eine Portallösung entwickelt, die den Schwerpunkt auf vielfältige Recherchemöglichkeiten setzt. Die Jury lobt das Vorgehen des Verlags, der seine Teams durch die Einführung agiler Arbeitsweisen „durchdigitalisiert“ habe. Außerdem sei gezielt der Input von User-Experience- und Usability-Experten eingeholt worden. „Wenn Verlage die Produktentwicklung sauber durchdeklinieren, dann haben sie auch mit einem Nischenprodukt eine gute Chance“, so das Fazit der Jury.

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Newsadoo: Newsadoo

Das österreichische Technologie-Unternehmen legt einen News-Aggregator vor, der basierend auf Machine Learning, Native Language Processing (NLP) und künstlicher Intelligenz Nachrichten von lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Zeitungen, Magazinen und Social-Media-Quellen automatisch analysiert und Usern über digitale Kanäle ausgespielt. Nach Einschätzung der Jury gibt es weiterhin einen Bedarf, News zu bündeln; der Ansatz, dafür Künstliche Intelligenz einzusetzen, sei fortschrittlich – womöglich könne die Technologie auch für andere Inhalte (beispielsweise aus Büchern) verwendet werden, so der Ausblick der Jury.

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Westermann Verlag: SmartResponse

Westermann bietet mit der „SmartResponse“-Technologie interaktives Übungsmaterial im Fach Englisch an, bei dem die SchülerInnen Feedback durch ein NLP-gestütztes Verfahren erhalten. Endlich stelle ein Verlag eine Lernapplikation vor, die keine 1:1-Umsetzung von Printmaterial sei, freut sich die Jury. SmartResponse biete die Chance, dass LehrerInnen mit einem neutralen System gezwungen würden, objektiver zu bewerten und stärker auf den Lernerfolg der SchülerInnen zu fokussieren. Die durch das lernende System klassifizierten Lernfortschritte könnten im nächsten Schritt wieder in neue didaktische Einheiten einfließen.

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PRODUKT/GESCHÄFTSMODELL

Bookwire: Creatokia

„Creatokia“ ist eine spezialisierte NFT-Plattform für die Publishing-Industrie, mit der diese die Blockchain-Technologie bestmöglich für sich nutzbar machen soll. Das Angebot sei ein Beispiel dafür, dass es der Verlagsbranche gelingt, sich zeitnah neuen Trends zu widmen und diese für sich fruchtbar zu machen, so die Jury. Die Plattform sei noch im Aufbau, aber schon jetzt sehe das Angebot sehr ansprechend aus.

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Happy Gang: Wisst ihr noch?

Die Multimedia-Entertainment-Marke „Wisst ihr noch?“ soll über Plattformen wie Facebook, Instagram und TikTok schöne Kindheitserinnerungen der 80er, 90er und 2000er zurückholen. Die Jury lobt den Versuch, mit einem „reinrassigen Agenturmodell“ nostalgische Inhalte für die aktuellen sozialen Kanäle „handwerklich hervorragend“ neu zu übersetzen und dabei einen starken Fokus auf die Kommunikation mit den Nutzern zu legen. Das Unternehmen Happy Gang habe klassischem Content so neue Horizonte erschlossen.

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Michael Müller Verlag: mmtravel

Die Individual-Reiseführer „mmtravel“ sind als Smartphone-App bisher für 36 Städte, 11 Wandergebiete sowie 5 Regionalführer erhältlich und umfassen neben einem E-Book auch Filterfunktionen und Offline-Karten. Laut Jury hat der Michael Müller Verlag damit vorgemacht, wie Verlage ihren hochwertigen Print-Content überzeugend in anderen Kanälen ausspielen können.

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Verlag an der Ruhr: „Klick und los! Digitale Unterrichtseinheiten“

Die fertig vorbereiteten, digitalen Unterrichtseinheiten richten sich an Lehrkräfte aller Schularten, die das Ziel haben, mittels Bildern, Videos, Audios, Quiz-Formaten, interaktiven Aufgaben und klassischen Arbeitsblättern verschiedene Unterrichtsthemen auf eine innovative Art und Weise zu vermitteln. Die Jury hebt hervor, dass es dem Verlag gelungen sei, in Kooperation mit LehrerInnen digitales Unterrichtsmaterial zu konzipieren, das „auch an einer durchschnittlichen deutschen Schule gut eingesetzt werden kann“. Die Unterrichtseinheiten gingen über herkömmliche blätterbare PDFs weit hinaus.

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STARTUP

Ahearo: Ahearo

Ahearo sei konzeptionell kaum von Articly (s.u.) zu unterscheiden, der Schwerpunkt werde hier aber stärker auf long reads bzw. Magazinartikel gelegt, was bei der Geschwindigkeit der Produktion Vorteile ergeben könnte (da der News-Druck kleiner sei). Damit setze Ahearo, wie Articly, auf den Audio-Boom, der maßgeblich durch den Vormarsch von Podcasts ausgelöst worden sei.

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Buuk Publishing: Buuk

Buuk tritt als SEO-Tool für Bücher an. Dazu soll die Sichtbarkeit von Büchern automatisch analysiert und Handlungsempfehlungen für Verlage und Selfpublisher generiert werden. Die Lösung steuere kleinere und mittlere Verlage sowie Selfpublisher an, die im Vergleich zu Buchkonzernen oft nicht über Möglichkeiten zur Verbesserung von Metadaten verfügten, unterstützt die Jury den Zielgruppenfokus des jungen Unternehmens.

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Docmine: Divisto Learning

Divisto Learning ist eine Software, mit der Bildungsinstitutionen Wissensinhalte digital, audiovisuell und interaktiv aufbereiten können; außerdem soll eine zentrale Plattform aufgebaut werden, über die die Inhalte abgerufen werden können. Die Jury lobt die ansprechenden Storytelling-Formate des Unternehmens, das ihre eigene Publishing-Plattform inzwischen standardisiert habe, um sie anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Bildungsinstitutionen könnten mit ihren Inhalten auf diesem Weg einen breiten Massenmarkt ansteuern.

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Wolf Innovation: Articly

Articly ist eine Plattform für Audio-Artikel. Die Hörartikel werden u.a. von Schauspielern eingelesen. Dafür kooperiert das Unternehmen mit etablierten Zeitungsverlagen. Die Verknüpfung von News-Content mit Audio sei ein überzeugendes Aggregationsmodell, das sich beispielsweise beim Thema Barrierefreiheit verdient mache. Profitieren würden neben sehbehinderten auch ältere Menschen.

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